Schweizer Wollinnovation

Als natürliches Rohmaterial ist Wolle wetterfest, atmungsaktiv und temperaturregulierend. Trotzdem wurde in der Schweiz der lokal verfügbare Alleskönner in den letzten Jahrzehnten kaum mehr für Textilien verwendet. Viele Textil-Experten schauten uns daher ungläubig an, als wir ihnen erklärten, dass wir Schweizer Wolle als Hauptmaterial in unseren LANA Jacken einsetzen.

Schafwolle hatte früher einen sehr hohen Stellenwert. Sie wurde für hochwertige Kleidung und Produkte wie beispielsweise Teppiche oder Segel eingesetzt. Die Wolle war etwa zehnmal so wertvoll wie das Fleisch der Schafe. Sie wurde sogar als das weisse Gold und der Stoff der Könige bezeichnet. In den letzten Jahrzehnten kam in der Schweiz wie in den meisten Regionen Europas jedoch der Wollniedergang: Synthetische Fasern, Baumwolle und Merinowolle aus dem Ausland etablierten sich im Textilbereich. Alles Materialien, die viel preisgünstiger sind und sich besser für die schnelle Massenproduktion eignen.

 

Einzigartiges Rohmaterial zum Verbrennen?

Das Scheren der Schafe machte sich nicht mehr bezahlt für Schweizer Bauern. Pro Schaf erhalten sie durchschnittlich gerade mal 1 Franken pro Kilo Wolle. In den 1950er Jahren lag der Kilopreis noch bei 10 Franken. Damals betrieb der Bund eine Inlandwollzentrale, die die gesamte Schweizer Schafwolle sammelte und auf den Markt brachte. Die Abnahme der Schafwolle war somit zu einem fixen Preis garantiert. Als 2009 schliesslich die Subventionen zur inländischen Weiterverarbeitung der Wolle gekürzt wurden, musste die Zentrale geschlossen werden. Dank Fördergeldern des Bundes und innovativen Projekten konnte zwar der vollständige Wollniedergang verhindert werden, Angebot und Nachfrage bewegten sich aber auf einem spärlichen Niveau. So wurde Wolle zu einem Abfallprodukt der Schafzucht, das zum Grossteil einfach weggeworfen oder verbrannt wurde.

 

Funktionales und lokal verfügbares Rohmaterial

Die Textil-Produktionskette von der Rohwolle bis zum fertigen Garn oder gar Wollstoff wie Loden, Walk oder Tweed existiert in der Schweiz schon lange nicht mehr. Doch, warum macht es denn Sinn, den Rohstoff in der Textilbranche zu verwenden? Schafwolle ist ein Rohmaterial, dass natürlicherweise kühlend und wärmend wirken kann. Zusätzlich zur temperaturregulierenden Eigenschaft leitet es Feuchtigkeit vom Körper ab, ist angenehm zu tragen, schmutzabweisend, geruchshemmend und pflegeleicht. Das Naturmaterial überzeugt weiter auch wegen der lokalen Verfügbarkeit in der Schweiz, was im Sinne der Nachhaltigkeit ist. Die Schweiz zählt weit über 300’000 Schafe. Deren Wolle gilt als nachwachsendes, erneuerbares Rohmaterial.

 

Die Entwicklung, dass eine solch geniale Naturfaser ungenutzt bleibt und traditionelles Textilhandwerk in Vergessenheit gerät, weckte den Unternehmergeist bei unseren Gründern Dario und Dario.

 

Alternative Lösungen sind gefragt

Einige Textilfirmen haben bereits entdeckt, dass Schweizer Schafwolle sich ideal als Isolation in Outdoorbekleidung eignet. Auch setzen manche das Naturmaterial in Kombination mit anderen, in der Regel synthetischen Materialien ein. Solche Vermischung entsprechen allerdings nicht der Kreislaufwirtschaft, weil die Textilien so nicht rezyklierbar sind. Wir wollten darum einen Schritt weiter gehen und Schweizer Wolle als Hauptmaterial für unsere LANA Jacke einsetzen und dies nur in Kombination mit biobasierten Materiealien. Da wir nicht fündig geworden sind nach einem hochwertigen Stoff, war die Eigenentwicklung der einzige Weg.

 

Wollqualität als Challenge

Bei der Schafhaltung in der Schweiz steht in der Regel die Wollqualität nicht im Fokus. Oft wachsen neben feinster Wolle auch grobe Wollhaare, weil Schafrassen gekreuzt werden, um ein besseres Fleischerzeugnis oder eine genetische Vielfalt zu erzielen. Hierzulande werden Schafe meist zweimal pro Jahr geschoren – aus Tradition oder für Schaf-Shows wie zum Beispiel in Savognin. Dies ist für den Einsatz in der Textilbranche eine Herausforderung: Für qualitative Stoffe sind eine beständige Wolllänge und eine gleichmässige Beschaffenheit zentral.

Das Rohmaterial für den eigens entwickelten Stoff beziehen wir von unserem Partner wollsein. Sie sammeln Schweizer Wolle direkt bei den Schafhaltern ein und bezahlen ihnen einen fairen Preis. Wir verwenden nur hochwertige Wolle von gleichrassigen Schafen, die einmal im Jahr geschoren werden.

 

Anspruchsvolle Verarbeitung

Hinzukommt, dass die Verarbeitung von Schweizer Wolle für Textilien aufgrund der Beschaffenheit anspruchsvoll ist. Denn die Wolle unserer heimischen Schafrassen ist – im Unterschied zur feinen Merinowolle aus Neuseeland oder Australien – eher rau und kratzig. Das macht auch Sinn: Die Tiere, die in den Bergen leben, müssen robust sein. Sie müssen sozusagen «ein dickes Fell haben».

Wir haben für die Garnproduktion und das anschliessende Weben und Färben 3 Kleinbetriebe in Norditalien als Partner gefunden. Sie wissen ein so komplexen Rohstoff wie Schweizer Wolle zu handhaben. Nach über 2 Jahren Entwicklungszeit entstand aus 1,2 Tonnen Schweizer Wolle rund 1,5 Kilometer Wollstoff. Und das alles im Umkreis weniger 100 Kilometer und nach strengsten Nachhaltigkeitskriterien. Eine wahre Schweizer Wollinnovation!

 

Falls sich nun jemand fragt, ob unsere LANA Wolljacken somit auch eher rau und kratzig sind: Nein! Durch die hochwertige Verarbeitung der Schweizer Schafwolle ist der Aussenstoff angenehm zu tragen. Und die gesamte Innenseite der Wolljacke ist durch einen seidig weichen Futterstoff auf Holzbasis gefüttert.

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