UNSERE PERSPEKTIVE ZUR ZIRKULARITÄT IN TEXTILIEN

Die heutigen Märkte stehen vor großen Herausforderungen, wenn es um die Transformation hin zu nachhaltigeren Geschäftspraktiken geht. Ein „zirkuläres“ Modell wird derzeit weltweit als die Lösung für eine nachhaltige Zukunft propagiert, aber es scheint wenig darüber bekannt zu sein, wie zirkuläres Denken umgesetzt werden kann und welche systematischen Abhängigkeiten es mit sich bringt. Da wir bestrebt sind, unsere Produkte für ein zirkuläres System zu entwerfen und zu entwickeln, und da wir viel Mühe in den Aufbau unseres Fachwissens und in den Versuch investieren, die Dinge richtig zu machen, möchten wir einen genaueren Einblick in die Bedeutung des zirkulären Denkens geben und wie wir es selbst sehen und definieren.

Es gibt zahlreiche Definitionen für die Kreislaufwirtschaft, und Zirkularität ist keineswegs ein neues Phänomen. Das heutige Weltwirtschaftssystem basiert auf einem linearen Modell, das nach der Einführung der Massenproduktion in der ersten industriellen Revolution dominant wurde und die in den vergangenen Jahrhunderten für Wirtschaftswachstum und steigenden Wohlstand gesorgt hat. Dieselbe Erfolgsgeschichte war jedoch auch der Ausgangspunkt für eine der größten Herausforderungen, vor denen die Menschheit heute steht – Ressourcenerschöpfung, Zerstörung der Ökosysteme, Klimawandel, ungelöste Abfallprobleme usw.

Lineare, recycling und zirkuläre Wirtschaft Kreislaufwirtschaft

Die traditionelle lineare Wirtschaft basiert auf einem „Nehmen, Herstellen, Entsorgen“-Produktionsmodell. Es beinhaltet die Gewinnung natürlicher Ressourcen zur Herstellung von Produkten, die für einen begrenzten Zeitraum verwendet, bevor sie als Abfall entsorgt werden. In einer Recyclingwirtschaft wird eine Ressource mehr als einmal verwendet, bevor sie auf einer Deponie oder bei der Verbrennung entsorgt wird. Im Gegensatz dazu schafft ein Kreislaufwirtschaftsmodell geschlossene Material- und Energiekreisläufe, in denen Abfall ein Problem darstellt, weil er als Wertverlust angesehen wird und die Natur Abfall eigentlich nicht kennt. Alle „Abfälle“ sollten zu „Nahrung“ oder „Input“ für einen anderen Prozess werden: entweder als Nebenprodukt, wiedergewonnene Ressource für einen anderen industriellen Prozess oder als regenerative Ressourcen für die Natur (z.B. Kompost).

In einer Kreislaufwirtschaft sehen wir das Ziel daher darin, über das gegenwärtige abfallorientierte Industriemodell hinaus zu schauen und sicherzustellen, dass Rohstoffe und Produkte Teil von Kreisläufen sind. Das Modell unterscheidet grundsätzlich zwischen technischen und biologischen Kreisläufen. Der Verbrauch findet nur in biologischen Kreisläufen statt, in denen Lebensmittel und biologisch basierte Materialien (z.B. Naturfasern, Lebensmittel usw.) so konzipiert sind, dass sie durch Prozesse wie Kompostierung und Vergärung wieder in das System zurückgeführt werden. Diese Kreisläufe regenerieren lebende Systeme wie den Boden, die erneuerbare Ressourcen für die Wirtschaft bereitstellen. Technische Kreisläufe dienen der Rückgewinnung und Wiederherstellung von Produkten, Komponenten und Materialien durch Strategien wie Wiederverwendung, Reparatur, Wiederaufarbeitung oder Recycling.biological and technological cycle.png

Eine Kreislaufwirtschaft ist daher mehr als nur ein Schritt in Richtung Abfallreduzierung und verstärktes Recycling. Es ist ein Paradigmenwechsel – eine neue Art des Denkens über wirtschaftliche Aktivitäten -, der notwendig ist, um unser gegenwärtiges Wirtschaftsmodell auf globaler Ebene völlig neu zu gestalten.

Um die Anforderungen in einem Kreislaufwirtschaftsmodell besser zu verstehen, ist ein wichtiger Aspekt bei Textilien das Verständnis der Komplexität und der Herausforderungen beim Recycling. In den heutigen Recyclingprozessen können Verunreinigungen von gebrauchten Materialien nur bis zu einem gewissen Grad entfernt werden. Im besonderen Fall von Textilien bedeutet dies, dass die meisten zurückgegebenen Kleidungsstücke in den derzeitigen Systemen nicht vollständig recycelt werden können, da diese Produkte aus gemischten Materialien hergestellt werden (z.B. Baumwolle-Polyester-Mischgewebe, Wollpullover mit Polyesterfäden, Pflegeetiketten aus Synthetik, Jeans mit Elastan usw. usw.). Kaum ein Kleidungsstück wird heutzutage so hergestellt, dass die Recyclinganlage ganz sicher sein kann, dass ein bestimmtes Kleidungsstück keine unerwünschten Stoffe enthält. In diesen Fällen kann das Kleidungsstück nicht in einen Recycling-Strom integriert werden, sondern wird dem Downcycling zugeführt oder entsorgt. Letzteres bedeutet, dass die Kleidungsstücke entweder zu minderwertigen Produkten (Putzlappen, Hausisolierung usw.) downgecycelt, verbrannt oder auf Deponien entsorgt werden. Leider, und im Gegensatz zu den Behauptungen vieler Bekleidungshersteller, scheint die Textilindustrie von einem eigentlichen Recyclingsystem noch weit entfernt zu sein.

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Aber warum ist dies der Fall und warum scheint es immer noch ein ungelöstes Problem zu sein?
In der gegenwärtigen Situation könnte sich der Versuch, eine Recyclingrate von 100 % zu erreichen, für die Unternehmen als kontraproduktiv erweisen, wenn beispielsweise der Preis für die Verwertung nach wie vor höher ist als der Wert der zurückgewonnenen Materialien. Fehlende Anreize machen es nicht notwendigerweise wünschenswert, ein Kreislaufwirtschaftsmodell anzustreben, und die Komplexität, Produkte für den Kreislauf zu entwerfen und die Produkte wieder in denselben Kreislauf einzuführen, ist für Unternehmen oft zu hoch und aufwendig.

In einem kürzlich veröffentlichten White Paper von PwC heisst es: „currently, the circular economy framework does not provide specific criteria to support the selection of actions nor specific guidelines on how to implement the concept. As the implementation of circular economy varies significantly for different products and markets, the need for individualized or sectoral approaches makes it difficult to provide general guidelines. Moreover, engaging in a circular economy strategy may bring in difficult trade-offs. When selecting materials in a production process, circular economy principles might exclude not fully recyclable materials. However, the environmental benefits of certain materials could outweigh the disadvantage of non-recyclability.“

Unter Berücksichtigung der oben genannten Argumente haben wir beschlossen, „Kreislaufwirtschaft“ für uns selbst zu definieren. Es gibt natürlich noch so viel mehr über die Umsetzung eines vollständig zirkulären Systems zu lernen, aber bis auf Weiteres sind die folgenden Leitprinzipien das, was uns zuversichtlich stimmt und was wir beschlossen haben, bei allem, was wir entwickeln und herstellen, zu verfolgen.

Wir entwerfen und entwickeln unsere Produkte für die Zirkularität. Dies umfasst alle Aspekte von der Auswahl des Rohmaterials, dem Produktdesign und der Produktion, der Nutzungsphase und dem Ende der Lebensdauer. Um sicherzustellen, dass unsere Produkte so zirkulär wie möglich sind, folgen alle unsere Kleidungsstücke einem oder beiden der folgenden Prinzipien:

  • Schließung des biologischen Kreislaufs: Erneuerbare und umweltschonende Substanzen, die am Ende der Lebensdauer biologisch abbaubar sind

  • Schließung des technischen Kreislaufs: Reine Materialinhalte in Produkten (z.B. 100% gleiche, leicht trennbare oder gemeinsam recycelbare Materialien) ohne Materialverunreinigungen, um die vollständige Recyclingfähigkeit/Nutzbarkeit am Ende der Lebensdauer zu gewährleisten

Unser erstes auf den Markt gebrachtes Produkt, das T-Shirt LEGNA, deckt diese beiden Grundsätze ab. Es enthält nur Fasern auf Holzbasis (100% des gleichen Materials ohne Verunreinigungen), wodurch es in den derzeitigen Systemen vollständig wiederverwertbar ist, und es ist biologisch abbaubar, falls das Produkt nicht in einen funktionierenden Recyclingstrom eingespeist werden kann, so dass keine schädlichen Stoffe in der Natur zurückbleiben und zu wichtigen Nährstoffen im biologischen Kreislauf werden.

Es gibt viele ungelöste Probleme und unbeantwortete Fragen im Hinblick auf eine voll funktionsfähige zirkuläre Textilwirtschaft. Wir als kleiner Akteur können sicherlich keinen wesentlichen Unterschied machen, und wir würden es nicht wagen zu behaupten, dass wir vollständig zirkulär sind, aber wir versuchen, uns so aufzustellen, dass alles, was wir tun, ein schnellerer Wechsel in Richtung Zirkularität unterstützt und fördert.

PS: Wenn Du Dich für das Thema interessierst oder uns Deine Sichtweise und Meinung mitteilen möchtest, nimm bitte Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns immer über Rückmeldungen und Inputs, um unseren Ansatz weiterzuentwickeln und zu verbessern oder um gemeinsam Lösungen zu diskutieren und weiter zu entwickeln.


Quellen:
Business Beyond Borders
Ellen MacArthur Foundation
PWC Study

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