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Wie nachhaltig ist eigentlich Wolle?

Schafe, die auf einer saftigen Wiese grasen, liefern den nachhaltigen Rohstoff Wolle für natürliche, ökologische Bekleidung. Dieses Bild soll vermittelt werden, um Kleidung aus Wolle als nachhaltige Lösung für die Umweltprobleme in der Textilindustrie zu präsentieren. Doch entspricht dieses romantische Bild tatsächlich der Wahrheit, oder hat auch Wolle seine Schattenseiten?
In diesem Blogbeitrag gehen wir näher auf die Herausforderungen von Wolle ein und zeigen zukunftsfähige und wegweisende Lösungen auf, um diese Problematiken anzugehen.

Wolle wird bereits seit Jahrhunderten zur Textilproduktion eingesetzt und seit jeher geniesst sie einen grossartigen Ruf. Seit dem Aufkommen der Nachhaltigkeitsthematik in der Textilindustrie wurde dieser Ruf gar noch zusätzlich gestärkt, denn das Naturprodukt Wolle soll entsprechend auch nachhaltiger sein als alternative Textilfasern, bspw. aus Synthetik.

In der Wissenschaft wird jedoch vermehrt auf die Umweltauswirkungen pro Kilogramm Material von Wolle hingewiesen. Wolle soll umweltschädlicher sein als die meisten anderen Fasern.


Bis zu 5x höherer CO2 Ausstoss als Baumwolle

Schaut man beim Umweltimpact von Wolle etwas genauer hin, werden schnell die verheerenden Auswirkungen der Schafhaltung ersichtlich. Wie bei anderen Formen der Tierhaltung verschlingt auch die Schafzucht zur Gewinnung von Wolle wertvolle Ressourcen. Um Platz für Weideflächen zu schaffen, wird Land gerodet, was zu einer erhöhten Versalzung und Erosion des Bodens und einem Rückgang der Artenvielfalt führt.

Wie Kühe, sind Schafe ebenfalls Wiederkäuer (d. h. sie haben mehrere Magenkammern), und bei der Verdauung ihrer Nahrung bilden sich in ihren Därmen Gase, die ausgestossen werden müssen. Dadurch werden enorme Mengen an Methangas in die Atmosphäre abgegeben. Methan gilt dabei als eines der wirkungsvollsten Klimagase und hat bspw. im Vergleich zu CO2 einen 25fach stärkeren Treibhausgaseffekt[1]. Die von Nutztieren erzeugte Gülle – v.a. auch in Ländern wie Australien und Neuseeland, wo riesige Schafherden aufgebaut wurden, um die weltweite Nachfrage nach Wolle zu decken – hat zudem erheblich zum Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre beigetragen. Je nach Betrachtungsweise und Quelle kann Schafswolle pro Kilogramm Fasern somit einen bis zu 5x höheren CO2-Ausstoss als herkömmliche Baumwolle aufweisen.


Tierfreundliche Haltung?

Abgesehen von den verheerenden Umweltauswirkungen durch die Wollproduktion, leiden die Schafe in der Wollindustrie oftmals entsetzliche Qualen. PETA hat Videos und Bilder veröffentlicht, die in zahlreichen Betrieben auf der ganzen Welt aufgenommen wurden und zeigen, dass Schafe verstümmelt, misshandelt und teils gar bei lebendigem Leib gehäutet werden – selbst für Wolle aus „verantwortungsvollen“ und «nachhaltig» bezeichneten Quellen (mehr hierzu hier). Wolle für die Textilproduktion zu nutzen ist somit auch aus ethischer Sicht enorm heikel und diskutabel.

 

Warum wir dennoch auf Wolle setzen

Wolle, von Natur aus eine kreislauffähige Faser, ist in vielerlei Hinsicht ein grossartiges Rohmaterial. Im Material Circularity Indicator der Ellen MacArthur Foundation erhält Wolle Bestnoten. Wolle und Wollprodukte sind erneuerbar, recycelbar und haben eine lange Nutzungsphase, die sich während ihres gesamten Lebenszyklus positiv auswirkt.
Trotz des eigentlich massiven Umweltimpacts bei der Herstellung von Wolle, geht es uns darum, dass wir dem Problem nicht aus dem Weg gehen, indem wir komplett darauf verzichten, sondern zukunftsfähige Lösungen schaffen und salonfähig machen. Wir sind nach wie vor enorm zurückhaltend beim Einsatz von Schafswolle, möchten aber beweisen, dass ein verantwortungsbewusster Umgang mit diesem grossartigen Rohmaterial auch zukunftsfähig sein kann.  

Muntagnard-Schweizer-Wolle-Verarbeitung


Wolle als Abfallmaterial? Nicht mit uns

Schafwolle hatte früher einen sehr hohen Stellenwert in der Schweiz. In den letzten Jahrzehnten kam jedoch der Wollniedergang: Synthetische Fasern, Baumwolle und Merinowolle aus dem Ausland etablierten sich im Textilbereich. Alles Materialien, die viel preisgünstiger sind und sich besser für die schnelle Massenproduktion eignen. Sogar das Scheren der Schafe machte sich nicht mehr bezahlt für Schweizer Bauern. So wurde Wolle zu einem Abfallprodukt der Schafzucht, das zum Grossteil einfach weggeworfen oder verbrannt wurde. Heute setzten aber immer mehr Unternehmen wieder Schweizer Wolle ein, auch wenn sie niemals mehr die Wertschätzung von früher erhält. Wir wollten hierbei ein zusätzliches Zeichen setzen und uns für die Verwertung eines sonst oftmals ungenutzten Rohmaterials stark machen. So haben wir uns entschieden, diese «Restwolle» einzukaufen und diese mit unseren Partnern in Norditalien zu hochwertigen Stoffen zu verarbeiten. Als Resultat entstanden unsere bekannten LANA Jacken aus ausschliesslich Schweizer Wolle. Mehr zu diesem Thema erfährst du auch hier.

Stoffabschnitt in der Nahaufnahme, gehalten von zwei Händen mit kleinem Infozettel


Kleidung aus recycelter Wolle

Von Beginn weg wollten wir keine Merinowolle aus fragwürdigen Quellen beziehen, auch wenn das Rohmaterial grossartige Eigenschaften für die textile Verarbeitung bietet. Als wir aber gelernt haben, dass Wolle sehr gut recycelt und wiederverwertet werden kann, löste dies bei uns den Entwicklergeist aus. Können wir eine Jacke aus 100% recycelter Wolle herstellen? Die kurze Antwort: ja, absolut. Gemeinsam mit unseren italienischen Stoffproduzenten haben wir uns also auf die Suche nach recycelten Fasern gemacht und damit begonnen, Webstoffe und daraus Jacken aus Recyclingwolle herzustellen. Die ersten Produkte aus dieser Entwicklung sind die Jacken unserer ReWollution Linie, die wir nun nach und nach ausbauen möchten.

Transparenz entlang der Lieferkette ist für uns essentiell, wenn wir über Nachhaltigkeit in der Textilindustrie sprechen. Zertifikate und Labels sind durchaus sinnvoll, aber erst wenn wir ein Rohmaterial bis zum Ursprung zurückverfolgen können, erlangen wir das Verständnis über die Herausforderungen und Chancen zu Verbesserungen. Und erst dann können wir in Punkto Nachhaltigkeit die Lieferkette und die Produkte optimieren.


Transparenz als zentrales Fundament

Wie erwähnt, wollten wir der gewöhnlichen, neuen Wolle komplett den Rücken zukehren. Somit wären wir hinsichtlich des ökologischen Impacts und des Tierwohls bedeutend weniger angreifbar gewesen. Wir wären aber einem fundamentalen Problem der Textilbranche auch komplett aus dem Weg gegangen, anstatt Lösungen dafür zu entwickeln. In diesem Fall haben wir uns somit vorgenommen, die herrschende Intransparenz im Markt anzugehen und komplette Transparenz entlang unserer Wertschöpfungskette zu schaffen (siehe hier). Entstanden daraus ist unsere LEGNA-MERINO Kollektion.

 

Jetzt wo wir unsere Wertschöpfungskette verstehen und die Akteure und Prozesse kennen, können wir in einer nächsten Phase mit der Optimierung beginnen. Von effizienteren und umweltfreundlicheren Verfahren in der Wollverarbeitung bis zur Wiederverwendung ausgemusterter Kleidungsstücke. Wir werden stets weiter nach Lösungen suchen und uns weiterentwickeln, bis wir hoffentlich irgendwann eine komplett zirkuläre Wertschöpfungskette kreieren können, wo Tierwohl und Umweltschutz natürlich nach wie vor an oberster Stelle stehen. Zudem sind wir stets bestrebt nach veganen Lösungen und Alternativen zu suchen, denn das Tierwohl ist dann am höchsten, wenn wir komplett auf ihr Rohmaterial und ihre Erzeugnisse verzichten.

[1] Nach Angaben der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa hat Methan in einem Zeitraum von 100 Jahren eine 28- bis 34-mal stärkere Wirkung als Kohlendioxid, und in den ersten 20 Jahren, nachdem es in die Atmosphäre gelangt ist, ist es 84- bis 86-mal stärker. Trotzdem gibt es keinen Standardansatz für die Überwachung, Aufzeichnung oder Meldung von Methanemissionen.

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